Anselm Kiefer – Mohn und Gedächtnis

Herausgegeben von Verein der Freunde des Israel-Museums in Jerusalem e.V, Berlin
Mit Texten von Teddy Kollek, Rolf Liebermann, Anslem Kiefer und Heiner Bastian
16 Seiten, 6 Abbildungen in Farbe
Format: 30 x 24 cm, gebunden
Verein der Freunde des Israel-Museums in Jerusalem e.V, Berlin, 1990
Deutsche/englische/jiddische Ausgabe
3 € (zzgl. Versandkosten)

Anselm Kiefers Skulptur »Mohn und Gedächtnis« ist ein Bild der gescheiterten Hoffnung. Es ist ein Bild unserer und aller Geschichte, in der die Zeit, weit fortgeschritten, die Frage nach dem Sinn des Vergangenen an der nicht einzulösenden Bedeutung ihrer Vergeblichkeit stellt. Aber Geschichte ist kein Lehrer, denn wir haben sie als historischen Prozeß in vielerlei moralisch ultimativen Ideen aufgegeben. Der historische Mensch ist heute so irrelevant wie ein vollkommene Gesellschaft.
Malerei als Weltdeutung, als Versuch der Sinngebung ist Anselm Kiefers schier ‚unmöglicher’ Akt der Durchdringung, eine unversöhnliche Metapher, aus sich selbst den Widerspruch des Scheiterns evoziert. Vielleicht gleichen seine Bilder darum nüchternen trauerverarbeitenden Arbeitsstoffen, die in manchen Werken gar zu augustinisch behauptenden Darstellungen finden: es ist alles geschehen und alles, was spricht und sprechen wird, ist auch das Vergessen des Geschehenen.
Kiefers Leitmotiv mag das Moment der Evokation sein; aus dem Mythos und der Prophezeiung, der Kultur und der Leere, aus dem Glauben und dem geschichtlichen Nihilismus ein archaisches Buch zu retten, in dem die Zeit für einen Moment stillstehen kann. Erlösen wird dieses Buch nichts und niemanden, aber seine Logik steht als hermeneutisches Rätsel neben unseren menschlichen Erfahrungen.
Der »Engel der Geschichte« hat so viel Gewicht wie das Seinslose, aber mehr Sein als alles Materielle. Das ist vielleicht Kiefers ‚unmöglicher’, aber beharrlicher Raum.

Heiner Bastian

Ich interessiere mich für diese Publikation.