Anselm Kiefer – Bücher

Herausgegeben von Heiner Bastian
Mit Texten von Heiner Bastian und Anselm Kiefer
88 Seiten, 86 Abbildungen in Farbe
Format: 30.5 x 23.6 cm, gebunden
Schirmer/Mosel Verlag, München, 2008
18 € (zzgl. Versandkosten)

… Es ist wie in der KUNST: Das, was du vom Leben in das Kunstwerk ›retten‹ willst, was du stiften willst, ist bereits woanders, wenn du es zum Erscheinen gebracht hast. Das Leben ist weitergegangen, während du als Maler, Dichter, Bildhauer versucht hast, es einzufangen. Man kann dieses Phänomen vergleichen mit dem Umstand, daß es die Sterne, die wir am Firmament sehen, meist gar nicht mehr gibt, weil das von ihnen ausgesandte Licht so lange gebraucht hat, zu uns zu gelangen. Es ist gerade diese Ungleichzeitigkeit, diese Grenzverschiebung, die unaufhebbare Distanz um geliebten Objekt, die Verzweiflung, die den Künstler befähigt, aus dem leeren Raum dieses Grenzstreifens heraus den selbst die Himmlischen rührenden Gesang zu vollbringen. Orpheus muß Eurydike verlieren, damit sein Gesang diese Zentrifugalkraft gewinnen kann, die ihn von der Wirklichkeit löst, und bis an die Galaxien reicht und darüber hinaus.

Anselm Kiefer

... Odysseus weiß über sich den Himmel als mythologisches Firmament, und in Anaximanders Karte verbirgt sich längst das Versprechen, daß alle Epen und Legenden Wahrheit sind, eine Wahrheit, von der Anselm Kiefer in seinen Bemerkungen über Mythologie und Poesie spricht. Es ist die alte und die neue Dichtung, der wir in den Büchern Kiefers begegnen, die sich in ihnen fortschreibt, auch wenn sie weit zurückführt, weit hinter die Geschichte, dorthin, wo wir von Anfängen sprechen, von Jahrhunderten, die nie gestört wurden, von den noch unsterblichen Göttern, vermessenen Erscheinungen, unvorstellbaren Metamorphosen, für deren Fremdheit wir bis heute nur Chiffren kennen.

Heiner Bastian

Erschienen anlässlich der Ausstellung »Anselm Kiefer – Bücher« Galerie Bastian, Berlin, 18. Okt. – 29. Nov. 2008.

Ich interessiere mich für diese Publikation.