Damien Hirst

Ausstellungsdaten
20. April - 28. Juli 2012

Im Zentrum der Ausstellung steht eine von Hirsts ersten Pillenschrank-Installationen aus dem Jahr 2000: »Void«. Ein anonymer Ausschnitt der Leere über allen Blendmarken und deren gesellschaftllicher Endlosstruktur. Es ist ein Werk ohne Anfang und Ende. Für Hirst gibt es schon lange keine Illusion mehr. Darum geht es wohl ausschließlich: illustriert wird der Schmerz, den es nur noch in den Dingen gibt. Eine Mehrdeutigkeit, die aus der scheinbaren Vertrautheit entwächst: die Konnotation pharmakologischer Abenteuer, die wir selbst erfinden wie ein letztes Band gegen den tödlichen Befund der Gewalt und der Wiederholung.

In der Ausstellung sind mehrere ›Spot-Paintings‹ zu sehen, deren Titel sich auf pharmakologische Wirkstoffe beziehen. „Art without fear. They always prove to be happy“, beschreibt sie Damien Hirst. Der Betrachter ist allzu geneigt, in den abstrahierten Formen Tabletten zu erkennen, letztlich stehen jedoch das Serielle, die Struktur, Farbe und Oberfläche im Vordergrund: „I just move colour around on its own. So that’s where the spot paintings come from – to create a structure to do those colours, and do nothing. It is just a way of pinning down the joy of colour.“

Auf einem Tondo, ein zwei Meter großes ›Spin-Painting‹ »Beautiful the Death of God the Birth of the New Universe Painting« (2005), sehen wir im Zentrum einen feuerrot lackierten Totenschädel, von dem spektral schwarz-rot-goldene Strahlenbündel auslaufen. Dem Bild gegenüber sehen wir auf heiterem orangegelben monochromen Grund irisierend leuchtende Schmetterlinge, die wie der Schädel des Tondos, als Chiffren der Vergänglichkeit, des Todes zu lesen sind. Schon in der antiken Bildsprache entweicht die Seele einem Körper in Form eines Schmetterlings. In diesen so poetisch anmutenden ›Schmetterlingsbildern‹, formellose Traumspiele, findet Hirst eine fast absolute Form. Bestärkt wird die Todesmetaphorik durch den Titel »Oranges and Lemons«, eine Allusion an den gleichnamigen englischen Kinderreim mit dem grausamen Endvers „and here comes a chopper to chop off your head/ chip chop chip chop – the last man’s dead“.

Der Betrachter kann sich in Hirsts Bildern dem Aufblitzen der Schönheit als tragischen Augenblick nicht widersetzen: das latente Unheil eines grenzenlosen virtuellen Geistes der Zerstörung und die Insuffizienz dessen, was wir uns manchmal als das Bleibende vorstellen. Vergänglichkeit ist auch Thema der Skulptur »Unicorn - The Dream is dead« (2006): Einhorntränen sollen Tote zum Leben erwecken können und ihr Blut verspricht Unsterblichkeit – der Preis dafür ist ewiges Unglück.

Hirsts Malerei ist die Inversion der Malerei: Man wird von diesen Bildern überwältigt, von ihrer ›Schönheit‹ in alle Rätsel des Dunkels geführt, des Schweigens und der Stimmungen, denen wir manchmal ohne Konkretion unterliegen – schließlich in die Unabschließbarkeit ihres Sinns.

Ausstellungsansichten

 

Ausgewählte Werke

 
  • Damien Hirst »Oranges And Lemons« 2008

    Lack, Schmetterlinge, industrielle Diamanten
    auf Leinwand [Diptychon]
    Jeder Teil: 213.4 x 426.8 cm [H x B]

  • Damien Hirst »Candidate« 2008-2009

    Metall, Harz, Pillen, Wasserfarbe auf Leinwand
    71.1 x 71.1 cm [H x B]

  • Damien Hirst »Candidate« 2008-2009

    Metall, Harz, Pillen, Wasserfarbe auf Leinwand
    71.1 x 71.1 cm [H x B]

  • Damien Hirst »Sulfisoxazol« 2007

    Lack auf Leinwand
    96.5 x 106.7 cm [H x B]